„Wir reden über zwei verschiedene Dinge.“
Diesen Satz habe ich in Besprechungen oft gehört und oft genug selbst gesagt. Meistens war er falsch. Wir redeten über dieselbe Sache. Wir nannten sie nur verschieden, und es hat zwanzig Minuten gedauert, bis das jemand merkte.
Ich habe Wirtschaftsingenieurwesen studiert, weil mich die Stelle interessiert, an der Betriebswirtschaft und Maschinenbau aufeinandertreffen. Später kam die Ausbildung zum Wirtschaftsmediator dazu. Beide Male ging es um dieselbe Stelle: die, an der Leute von verschiedenen Seiten miteinander reden müssen.
Ein Bauteil, vier Namen
Nehmen wir ein Laufrad in einer Pumpe.
In der Instandhaltung heißt es Laufrad. Im Einkauf steht Impeller auf der Bestellung, weil der Hersteller englisch liefert. In der Zeichnung ist es Pos. 14. Und der Kollege, der 2009 Linie 3 aufgebaut hat, nannte es das Schaufelrad, und die Hälfte der Werkstatt sagt es bis heute.
Vier Namen, ein Ding. Solange die Beteiligten sich kennen, funktioniert das.
Es funktioniert nicht mehr, wenn der Kollege in Rente geht. Wenn ein zweiter Standort dazukommt. Wenn ein Externer eine Reklamation bearbeiten soll. Oder wenn jemand versucht, die Sache zu suchen, statt zu fragen.
Dann wird aus einer Selbstverständlichkeit ein Suchproblem, aus einem Suchproblem eine Rückfrage, und aus einer Rückfrage die Arbeit von zweien.
Vier Fragen, die man für eine hält
Wer diesen Zustand aufräumen will, stößt schnell auf ein Angebot an Tools und Beratung. Was dabei selten gesagt wird: Es sind vier verschiedene Fragen, und keine beantwortet die anderen.
1. Wie heißt es richtig? Von den vier Namen oben muss einer gelten. Nicht, weil die anderen falsch wären, sondern weil man sich sonst nicht einigen kann. Die übrigen bleiben als Synonyme stehen, damit man sie noch findet.
Welcher der vier es wird, steht nicht am Bauteil. Aus dem Laufrad geht nicht hervor, dass es Laufrad heißen muss und nicht Schaufelrad. Es gibt hier keine richtige Antwort, die man nur finden müsste. Es gibt eine, die jemand festlegen muss.
2. Wo gehört es hin? Das Laufrad sitzt in einer Pumpe, die Pumpe steht an Linie 3, Linie 3 gehört zum Werk Nord. Wer nach der Linie fragt, will meistens auch das wissen, was an ihren Teilen hängt.
3. Was für ein Dokument ist das? Eine Freigabe ist etwas anderes als ein Prüfprotokoll und etwas anderes als eine Arbeitsanweisung. Wer nach der gültigen Fassung sucht, sucht eine Art von Dokument, nicht irgendeines.
4. Was hängt womit zusammen? Dass dieses Laufrad in dieser Pumpe von diesem Hersteller sitzt, kann im ERP stehen. Dass es zu jener Reklamation von 2023 gehört, kann im CRM stehen. Dass beides dieselbe Sache betrifft, steht nirgends.
Vier Fragen, vier Antworten. In der Praxis werden sie gern in einen Topf geworfen, und dann kauft man ein Tool, das eine davon löst, und wundert sich.
Warum baut man das, wenn die KI doch alles versteht?
Das ist die Frage, die ich am häufigsten höre, seit alle über KI sprechen. Sie ist berechtigt, und sie hat eine kurze Antwort.
Ein Sprachmodell kennt die Welt. Es kennt nicht Ihr Unternehmen.
Es weiß, was ein Laufrad ist und was ein Impeller ist, und dass beides dasselbe sein kann. Es weiß nicht, dass „Anlage 7“ bei Ihnen die Abfüllung meint und am Standort nebenan die Lackiererei. Diese Angabe steht in keinem Trainingsdatensatz, weil sie in keinem öffentlichen Text steht. Sie wurde bei Ihnen entschieden, meistens mündlich, oft vor Jahren.
Das ist keine Lücke, die ein größeres KI-Modell schließt. Es ist der Teil, den das Unternehmen selbst beisteuern muss.
Der unangenehme Teil
Alle vier Fragen von oben haben eine Gemeinsamkeit, über die ungern gesprochen wird: Sie sind Pflege.
Ein Begriff wird angelegt, ein Synonym ergänzt, eine Zuordnung korrigiert, wenn sich etwas ändert. Kein Tool erledigt das von allein, und keine KI baut es auf. Sie kann Vorschläge machen, und das tut NXTGN AI CORE auch: Wenn zwei Begriffe im Bestand ständig zusammen auftreten, fällt das auf, und der Vorschlag landet bei jemandem, der ihn freigeben oder verwerfen kann.
Aber der Mensch bleibt in der Kette. Ein Vorschlag aus dem Bestand ist eine Beobachtung. Erst die Freigabe macht daraus eine Festlegung, für die jemand einsteht.
Warum das keine Fleißarbeit ist
An dieser Stelle liegt es nahe, zu delegieren. Jemand aus der Technischen Redaktion bekommt die Aufgabe, weil sie nach Dokumentation aussieht. Manchmal geht das gut. Oft nicht, und der Grund ist nicht mangelnde Sorgfalt.
Wenn zwei Abteilungen dasselbe verschieden nennen, ist das selten Zufall. Manchmal steckt ein technischer Grund dahinter. Manchmal ein alter Streit, der mit Technik nichts zu tun hat. Wer nun festlegt, welche Benennung gilt, entscheidet damit auch, wer von beiden sein Wort aufgibt. Das ist eine Führungsaufgabe, und wer sie nach unten gibt, bekommt eine Liste zurück, an die sich niemand hält.
Aus meiner Zeit als Wirtschaftsmediator kenne ich das Muster. Zwei Seiten streiten über eine Sache und meinen einen Vorgang, der dahinter liegt. Man kann die Sache lange klären. Gelöst ist sie erst, wenn beide dasselbe Wort benutzen und wissen, warum es dieses ist.
Mein Resümee
Eine gemeinsame Sprache ist kein Nebenprodukt der Digitalisierung. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass Digitalisierung überhaupt etwas bringt.
Man kann sie nicht kaufen und nicht einführen. Man kann sie festlegen und pflegen, und beides kostet Aufmerksamkeit von Leuten, die etwas zu entscheiden haben.
Der Aufwand ist überschaubar. Die Frage ist, wer ihn übernimmt.
Solange die Antwort „irgendwer im Team“ lautet, bleibt es bei vier Namen für ein Ding, und die Suche findet keinen davon.


